{"id":333,"date":"2013-11-25T07:51:36","date_gmt":"2013-11-25T05:51:36","guid":{"rendered":"http:\/\/arsnecopinata.de\/Wordpress\/?p=333"},"modified":"2013-11-25T08:47:23","modified_gmt":"2013-11-25T06:47:23","slug":"abm-grenzpersonal-ein-nicht-ganz-so-einfacher-visarun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/arsnecopinata.de\/Wordpress\/abm-grenzpersonal-ein-nicht-ganz-so-einfacher-visarun\/","title":{"rendered":"ABM Grenzpersonal &#8211; ein nicht ganz so einfacher Visarun"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Mal habe ich an der Grenze zum Oman f\u00fcr mein neues Visum doppelt so lange gebraucht als sonst. Der Grund war nicht etwa, dass viel Betrieb gewesen w\u00e4re. Eigentlich war kaum was los, wie es Werktags am Vormittag auch zu erwarten ist.<\/p>\n<p>Es begann damit, dass die Departure hall (f\u00fcr den offiziellen Ausreisestempel) unbesetzt war. Ein paar Junge M\u00e4nner vom Kontrollposten f\u00fcr Golfstaatenbewohner winkten meine Freundin und mich zu sich. Der Britische Pass meiner Freundin war nach zwei Minuten mit den n\u00f6tigen Ausreisestempeln versehen, bei mir dauerte es. Und es dauerte. Und dauerte. Vier Junge M\u00e4nner im B\u00fcro unterhielten sich, klapperten immer wieder was am Rechner ein, warteten, unterhielten sich weiter &#8211; nichts geschah. Nach ca. einer viertel Stunde fragte mich einer von ihnen, ob ich auch zum Enter\/Exit gekommen sei und nach dem Omanigrenzposten gleich wieder k\u00e4me. Ich sage ja, er zuckt mit den Schulter, gab mir meine Stempel, und wir konnten passieren. Was das Problem war, konnten wir noch nicht feststellen.<\/p>\n<p>Direkt nach dem Posten hielt ein freundlicher Omani neben uns und nahm uns mit zur omanischen Grenzseite, wodurch wir die verlorene Zeit wieder gutmachen konnten. Das ist nicht ungew\u00f6hnlich, bisher wurde ich auf dem Hinweg immer von freundlichen Omanis mitgenommen, sobald sie sahen, da l\u00e4uft eine Frau alleine durch die W\u00fcste. Nun waren wir zwei blonde Frauen, das erh\u00f6ht die Chancen auf Mitnahme nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>Auf omanischer Seite ging wie immer alles unkompliziert und sehr schnell, Einreisestempel, Touristenvisum bezahlen, Ausreisestempel und ab zur\u00fcck. Da auf omanischer Seite keine emiratischen Banknoten angenommen werden, gab mir meine Freundin die f\u00fcr sie f\u00e4lligen 200 Dirham (ca. 40 Euro) und ich bezahlte mit Kreditkarte f\u00fcr uns beide. Wie sich erst sp\u00e4ter beim Kontrollieren des Kartenausdruckes heraus stellte, haben wir das Gl\u00fcck gehabt, dass der Grenzposten scheinbar 200 mal 2 nicht im Kopf rechnen konnte, sondern den Kartenleser rechnen lie\u00df. Wahrscheinlich dr\u00fcckte er anstelle der Multiplikationstaste die f\u00fcr Division. Schlie\u00dfendlich wurde es f\u00fcr uns das billigste Omanvisum aller Zeiten, denn er zog mir nur den halben Preis f\u00fcr eine Person ab. Geld gespart, warum nicht!<\/p>\n<p>Wir spazierten gem\u00fctlich zur\u00fcck zur emiratischen Seite. Die Einreisehalle war so gut wie leer, eine uns schon bekannte kompetente Dame sa\u00df hinter dem Schalter. Die Stempelei f\u00fcr meine britische Freunding ging wieder sehr schnell, etwas Geplauder w\u00e4hrend die Dame versuchte, meine Datei zu \u00f6ffnen. F\u00fcr jeden Ausl\u00e4nder wird bei der ersten Einreise eine Datei im System angelegt, die den Namen der Passnummer hat. Da Deutschland als einziges seit Neuestem Ziffern und Buchstaben mischt, ohne darauf zu achten, dass man O und Null kaum auseinander halten kann, war es gut, dass ich bereits einen Aufkleber vom hiesigen Immigration Department hatte, der besser leserlich war. Es n\u00fctzte nichts. Immer, wenn die Dame meine Datei \u00f6ffnen wollte, st\u00fcrzte das System ab. Nach dem 12. Versuch rief sie einen Kollegen an. Genau denjenigen, der bei meiner &#8220;Ausreise&#8221; so unheimlich lange gebraucht hatte. Angeregte Unterhaltung, klang beinahe wie schimpfen, aber bei anderen Sprachen ist das h\u00e4ufig nicht so einfach zu interpretieren. Jedenfalls kam der Herr vorbei, nahm meinen Passport mit und verschwand in ein anderes Geb\u00e4ude. Weitere 15 Minuten verstrichen bis er wieder auftauchte, meinen Pass am Schalter abgab und mit den Worten &#8220;Finish, all good&#8221; sehr schnell wieder verschwand. Gleiches Problem wieder, nichts war gut. Die Dame hinter dem Schalter entschuldigte sich mehrfach bei mir, wollte scheinbar die Situation mit einem Gespr\u00e4ch auflockern. Sie fragte mich, ob denn Hitler bald wieder k\u00e4me. Ich stutzte. Zu unserer Geschichte haben die meisten au\u00dfereurop\u00e4ischen Ausl\u00e4nder eben einen anderen Bezug als wir. Jedenfalls musste unser junger Grenzbeamte wieder antanzen. Weitere Auseinandersetzung auf arabisch, die Dame verwies ihn an den Nachbarschalter und sch\u00fcttelte immer wieder mit m\u00fcrrisch zusammen gepressten Lippen den Kopf. Er brauchte noch eine geraume Weile, bis ich letztendlich meinen Pass mit den n\u00f6tigen Einreisestempeln zur\u00fcck bekam. Was war da passiert?<\/p>\n<p>Augenscheinlich haben die jungen Herren bei meiner Ausreise meine Datei zerschossen. Und zwar so gut, dass sie sich nicht nur nicht mehr \u00f6ffnen lie\u00df, sondern bei jedem Versuch desselbigen das ganze System zum Absturz brachte. Ich kann nur inst\u00e4ndig hoffen, dass der junge Mann das Problem wirklich behoben hat, sonst bekomme ich beim n\u00e4chsten Mal in f\u00fcnf Wochen die gleichen Schwierigkeiten.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur Einreise am Flughafen, wo man seine Stempel im Pass bekommt und damit fertig ist, bekommt man hier noch ein zus\u00e4tzliches Papierchen mit irgendeinem nichtssagenden Stempel. Diesen gibt man am n\u00e4chsten H\u00e4uschen ab, bekommt einen Ausdruck mit seiner Passnummer, den man wiederum an einem weiteren H\u00e4uschen einfach so gestempelt bekommt und am aller letzten Posten dann einfach wieder abgibt. Sieht erst mal v\u00f6llig sinnlos aus. Ist es technisch gesehen auch, aber es gibt einen guten Grund daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Die Emirate sind ein sehr junges Land, sie werden am 2. Dezember gerade mal 42 Jahre alt. Gerade im Emirat Abu Dhabi gab es zur Gr\u00fcndung noch gar nichts. Keine Bildung, keine medizinische Versorgung, die H\u00e4user waren nicht mehr als H\u00fctten aus Palmwedeln, die Leute waren schrecklich arm. Erst vor 42 Jahren, als Sheik Zayed an die Macht kam, \u00e4nderte sich alles. Er investierte das Geld, was er durch das \u00d6l bekam in einen rasanten Aufbau der St\u00e4dte. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck wurden Schulen, Krankenh\u00e4user, Wohnh\u00e4user etc. gebaut. Nur bis es soweit war, dass s\u00e4mtliche Einheimischen von Beginn an Bildung genie\u00dfen konnten und eine Schulpflicht bestand und auch die n\u00f6tigen Ressourcen daf\u00fcr vorhanden waren, dauerte es noch eine Weile. Au\u00dferdem war es so manchem W\u00fcstenbeduinen schwer zu vermitteln, warum sich nach so langer Zeit die Dinge alle \u00e4ndern sollten. Wof\u00fcr man das alle br\u00e4uchte. Daher ist ein Gro\u00dfteil der jetztigen erwachsenen Bev\u00f6lkerung noch sehr ungebildet. Das Leadership (K\u00f6nigsfamilie und Regierung) m\u00f6chte aber daf\u00fcr sorgen, dass sie wenigstens alle ein sicheres Einkommen haben. Und ein Gef\u00fchl daf\u00fcr bekommen, einer regelm\u00e4\u00dfigen T\u00e4tigkeit nachzugehen. Immerhin bekommen oder haben die Leute ja auch alle Kinder, denen vermittelt werden muss, wie die Welt hier in Zukunft funktioniert. Was aber macht man mit genau dem Teil der Bev\u00f6lkerung, der nicht nur ungebildet ist, sondern aus verschiedenen Gr\u00fcnden auch nicht mehr sinnvoll nachtr\u00e4glich ausgebildet werden kann? Man versucht eben irgendwelche Jobs zu schaffen. Hauptsache eine Besch\u00e4ftigung f\u00fcr Geld. Und sei sie unterm Strich noch so sinnlos in unseren Augen. Dadurch ist hier gerade im beh\u00f6rdlichen Bereich ein unheimlich aufgebl\u00e4hter Apparat entstanden, der h\u00e4ufig zu einer Menge \u00fcberfl\u00fcssiger Rennerei f\u00fchrt. Zum Beispiel diverse Stempelzettel an der Grenze von H\u00e4uschen zu H\u00e4uschen tragen, obwohl mit dem Ein- und Ausreischalter alles erledigt ist.<\/p>\n<p>Wenn man diese Zusammenh\u00e4nge kennt und dar\u00fcber nachdenkt, erscheint das Ganze nicht mehr wirklich sinnlos. Wenn die j\u00fcngere, besser ausgebildete Generation vollst\u00e4ndig nachger\u00fcckt sein wird, kann und wird man hier sicher solche Stellen wieder St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck streichen, dann sind sie nicht mehr n\u00f6tig. Bis dahin aber gibt es den Leuten die M\u00f6glichkeit, sich an ein Arbeitsleben mit Struktur und festem Einkommen in der Gegenwart und Zukunft zu gew\u00f6hnen und genau das auch an ihre Kinder weiter zu geben. Alles wird irgendwann gut, inshallah (&#8220;so Gott\/Allah will&#8221;)!<\/p>\n<p>Das Wissen um die Hintergr\u00fcnde hilft mir sehr, in solchen Situationen nicht die Geduld zu verlieren, sondern die Dinge so hinzunehmen, wie sie eben gerade sind&#8230;<\/p>\n<p>So. Und f\u00fcr alle, die meinen letzten Beitrag gelesen haben: Der Regen stoppte doch tats\u00e4chlich, als wir den ersten Grenzposten an der emiratischen Grenze Richtung Oman passierten. Der Spaziergang zur\u00fcck zur emiratischen Seite war herrlich in frischer und sandfreier Luft! Wir M\u00e4dels hatten eben Gl\u00fcck \ud83d\ude09<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/arsnecopinata.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/avatarK.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-237 alignleft\" alt=\"avatarK\" src=\"https:\/\/arsnecopinata.de\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/avatarK-150x150.jpg\" width=\"90\" height=\"90\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Mal habe ich an der Grenze zum Oman f\u00fcr mein neues Visum doppelt so lange gebraucht als sonst. Der Grund war nicht etwa, dass viel Betrieb gewesen w\u00e4re. 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